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Studie zum Leseverhalten

Totgesagte leben länger

Die Leserzahlen der Schweizer Printmedien sind im Sinkflug. Tageszeitungen und Zeitschriften geraten durch die digitale Konkurrenz unter Druck. Haben Printprodukte Zukunft? Aber sicher!

 

Schweizer Tageszeitungen und Zeitschriften haben im Jahr  2014 weiter Leser eingebüsst. Ein Blick auf die Zahlen der WEMF-AG für Medienforschung zeigt: Der «SonntagsBlick» verlor innert sechs Monaten 56 000 Leser, die «NZZ am Sonntag» 51 000, und die «SonntagsZeitung» musste auf 24 000 Leser verzichten. Haben Printprodukte noch Zukunft?

Die WEMF publizierte dieses Jahr eine weitere Studie zum Leserverhalten, die jedoch kaum Eingang in die Medien fand.  Nur die NZZ1 war aufmerksam genug, um die verblüffenden Resultate der «Total Audience»-Studie zu erkennen. Die Zahlen zeigen: Wer ein breites Publikum sucht, setzt auf Printprodukte. Etwa die Hälfte der Schweizer liest täglich Zeitung. Reine Online-Leser sind in der Minderheit. Man kann mit gedruckten Medien immer noch mehr Leser erreichen als online.

 

Print hat die Nase vorn

In der Schweiz lesen ca. 3,2 Millionen Menschen täglich eine gedruckte Zeitung. Aber nur 432 000 Personen informieren sich ausschliesslich über Online-Angebote. Selbst die «Digital Natives» bevorzugen mehrheitlich Printprodukte, obwohl sie von Kindsbeinen an vertraut sind mit den digitalen Technologien.

Unter den 14- bis 34-Jährigen lesen 897 000 Personen täglich Presseerzeugnisse in gedruckter Form und 184 000 ausschliesslich Online-News. Bei den 35- bis 54-Jährigen sind es 1,12 Millionen (Papier) bzw. 166 000 (Online), unter den über 55-Jährigen wiederum 1,2 Millionen (Papier) bzw. 82 000 (Online).

Die Frage nach dem Stellenwert von Printprodukten in einer zunehmend digitalisierten Welt ist komplex, wie folgendes Beispiel zeigt: Die gedruckte Ausgabe von «20 Minuten» erreicht 1,57 Millionen Leser, das Online-Pendant hingegen nur 574 000. Beim «Blick» wiederum hat das digitale Angebot ein grosses Gewicht: 543 000 Online-Nutzer stehen gegenüber 720 000 «Blick»- und 779 000 «Blick am Abend»-Lesern. Wie ist dieser Unterschied zu erklären? Ein Grund für den grösseren Online-Trend der Ringier-Produkte könnte in den thematischen Apps liegen, die der Verlag für Smartphone-Nutzer anbietet (Tennis, Ski Alpin, Eishockey, Fussball und Blick TV).

 

Die Stärken des Print

Warum hält sich Print so hartnäckig? Die grösste Stärke von Printprodukten liegt in ihrer Glaubwürdigkeit und Übersichtlichkeit. Druckmedien stehen für eine sorgfältige Aufbereitung von Informationen. Sie erlauben eine entschleunigte und nachhaltige Art des Lesens.

Diese Aussagen gelten auch für Werbeprodukte, wie eine Studie der Hochschule für Medien in Stuttgart gezeigt hat. Demnach werden gedruckte Botschaften im Vergleich zu elektronischen Medien positiver aufgenommen. Print erweist sich als das einprägsamere Medium. Die übermittelten Botschaften werden längerfristig bei den Zielgruppen verankert. Druckmedien sind unaufdringlich. Der Kontakt wird nicht als störend empfunden, sondern bewusst zugelassen.

Was nun: Print, Online oder beides? Gedruckte Medien haben nach wie vor einen wichtigen Stellenwert. Es wäre also falsch, nur noch auf Online-Medien zu setzen. Welches Medium das richtige ist, muss im Einzelfall und auf der Grundlage eines Konzeptes geklärt werden.

 

Reine Online-Leser sind in der Minderheit.
Man kann mit gedruckten Medien immer noch
mehr Leser erreichen als online.

Druckmedien stehen für eine sorgfältige Aufbereitung
von Informationen. Sie erlauben eine entschleunigte
und nachhaltige Art des Lesens.

Die grösste Stärke der Printprodukte liegt in ihrer
Glaubwürdigkeit und Übersichtlichkeit.